1. GESCHICHTE: DER MOMENT, ALS SCHORSCHS FRAU ERFUHR, DASS ER ABTEILUNGSLEITER DES FCG WIRD

Das Resultat des Abends: Der aktuelle Abteilungsleiter fragte Schorsch, ob er es gestern ernst meinte und neuer Abteilungsleiter werden möchte. Schorschs Frau wusste zu diesem Zeitpunkt noch nichts von seinem Vorhaben. Zum Glück, muss der neutrale Beobachter hier sagen. Schließlich hatte sie ihn ja vor 10 Jahren an die Ketten gelegt und den Schlüssel den Kanal hinunter gespült - dachte sie zumindest. Schorsch sagte zu, schließlich habe er schon zugesagt und wollte sein Wort nicht brechen - ein Ehrenmann eben. Seine Frau, die in diesem Moment vor vollendete Tatsachen gestellt wurde und neben ihm auf dem Sofa saß, lief zuerst weiß an, was sich aber in Bruchteilen von Sekunden zu einem exzessiven Rot entwickelte. „Sind bei dir eigentlich die Sicherungen durchgebrannt, Schorsch?", schrie sie ihn voller Zorn an.
„Der FCG ist mein Herzensverein", antwortete er und gab sein endgültiges Okay für den Job. „Herzensverein blablabla, dass ich nicht lache“, tobte sie dann. Schorsch versuchte mit seinen Händen noch zu erklären, ließ diese aber kurzdarauf in seine Hosentasche wandern. Seine Frau nahm diese Wanderung der Hände wütend zur Kenntnis. „Genau, tu deine Hand wieder in die Hosentasche, da ist sie am besten aufgehoben, da geht am wenigstens kaputt.“ Jetzt fing auch der Abteilungsleiter an zu lachen, der dieses bizarre Treiben bisher als stiller Beobachter wahrnahm. Schorsch setzte weiter fort, als hätte er die Bemerkung seiner Frau nicht gehört. „Wir schaffen das schon und finden einen gemeinsamen Weg“ und wollte seiner Frau gut zureden. Seine Frau verdrehte nur den Kopf und konterte eiskalt: „Ach, hör auf. Das Einzige, was du täglich findest, ist der Feierabend. Sonst aber findest du überhaupt gar nichts.“

Plötzlich stand Schorschs Frau auf und lief in Richtung Türe. „Ach Schatz, freust du dich denn nicht?“, fragte Schorsch seine Frau noch provokativ. Die drehte sich um und dachte, dass sie sich verhört hatte. „Dumme, aber berechtigte Frage. Aber klar doch freue ich mich!“, erwiderte sie mit einem aufgesetzten Lächeln. „Warum weiß dein Gesicht nur nichts davon?“, antwortete Schorsch und fing gleichzeitig mit dem Abteilungsleiter an zu lachen. Jetzt lief seine Frau zur Höchstform auf. Sie ließ daraufhin die Wohnzimmertüre hinter sich ins Schloss krachen, so dass diese beinahe aus dem Rahmen sprang. Der aktuelle Abteilungsleiter saß nun wie ein Häufchen Elend da und wusste nicht so recht, wie ihm geschah. „Normalerweise steigen wir am Wochenende auf. Uns kann keiner das Wasser reichen“, meinte er ruhig und wollte Schorsch die Entscheidung noch einfacher machen. Schorsch schaute ihn an. Seine Erfahrungen von früher sagten ihm, dass in 90 Minuten alles passieren konnte, vor allem in einem Aufstiegsspiel. Auf der anderen Seite hatte er weder ein Spiel des FCG gesehen, noch eines des Gegners. Das machte seine Einschätzung deshalb etwas schwierig. Zum Abschied lud der noch amtierende Abteilungsleiter seinen Nachfolger Schorsch dann gleich zur Spielersitzung vor dem Aufstiegsspiel ein und stellte ihn dort dem Trainer und der Mannschaft vor. Von nun an wurde Schorsch zu allen Gesprächen rund um die Fußballabteilung hinzugezogen. Er fühlte sich wie neugeboren und wurde seit Neuestem auch von seinen Freunden wieder bewundert. Im Gegensatz dazu seine Frau, sie tobte und tobte, was Schorsch alles andere als gefiel.Oder irgendwie auch schon. Böse Zungen behaupten, dass sie Glaubschdueds bissigster Terrier ist.

2. GESCHICHTE: HAUDEGEN OTTO UND DER EINBRECHER

Mit Haudegen Otto war meist nicht gut Kirschen essen. Dies musste auch ein Einbrecher leidvoll erfahren. Als Haudegen Otto vor Jahren nämlich einmal nachhause kam, stellte er fest, dass eingebrochen wurde. Blöd nur, dass Haudegen Otto einen Waffenschein hatte und der Einbrecher noch im Haus war. Und so fing das Drama an.

Wie ein Irrer schrie er im Haus herum und begab sich zu seiner Schrotflinte, die er immer geladen an der Haustüre aufbewahrte. Seine Frau wartete eingeschüchtert vor dem Haus und hoffte, dass es nicht im Drama endete. Sie wollte ihren Mann noch aufhalten, doch dieser ließ sich nicht davon abhalten und schrie wie wild im Eingangsbereich herum. Da sich der Einbrecher logischerweise nicht zu erkennen gab, gab er vor seinem Haus 3 Warnschüsse ab.

Spätestens jetzt war „Halligalli" in der Straße.

In der Zwischenzeit flüchtete der Einbrecher wohl unerkannt durch den Garten und verschwand. Selbst die Polizisten, die ziemlich schnell auf Rufen eines verunsicherten Anwohners eintrafen, konnten Haudegen Otto nicht stoppen. Erst die Androhung von Gewahrsam beruhigte ihn kurzfristig. Nachdem die Polizei das Haus durchsuchte und niemanden fand, beruhigte sich die Lage. Trotzdem schreckte Haudegen Ottos Frau seit diesem Vorfall bei jedem Geräusch auf. Das konnte Haudegen Otto nicht passieren. Er hörte nicht mehr gut.

3. GESCHICHTE: MANNI UND DIE "ENGEL"

Wenn man am Sonntagmorgen in die Wirtschaft gegangen ist, dann war um 10 Uhr der Stammtisch voll. Und an einen runden Stammtisch passt ja immer noch jemand hin, da kann es schon sein, dass mal 20 Leute daran gesessen sind. Da waren auch Spieler drunter, die mittags für den Verein auflaufen durften. Und die haben sich am Morgen nicht mit Apfelsaft oder Wasser begnügt“, meinte er und nahm einen Schluck von seinem kühlen Bier. Dies tat Schorsch auch, anders war es aktuell für ihn nicht zu ertragen. 3 Schnäpse und mittlerweile das zweite Bier, „nüchtern betrachtet“ sieht anders aus. Ungläubig schaute sich die Abteilungsleitung an und wollte wissen, wie er denn das mit den Spielern gemeint hat. Die Antwort kam prompt. „Sei es in der ersten oder zweiten Mannschaft, der Frühschoppen am Sonntagmorgen war ein absolutes Muss! Unser Manni hat zum Beispiel jedes Mal standesgemäß sechs Bier getrunken, ist dann zum Mittagessen heim und danach zum Treffpunkt gekommen. Das hat keinen interessiert. Manchmal war er sogar der beste Mann auf dem Platz. Zumindest 30 Minuten lang. Dann lief ihm der Schweiß übers Gesicht, als säße er schon 40 Minuten in der Sauna. Und seine Füße und Lunge haben auch nicht mehr mitgemacht. Schwere Füße und eine nachlassende Reaktion bei einem Spielertyp à la Abräumer, da kann man sich vorstellen, wie viel Spiele der Gegner vollzählig beendet hat. Aber 30 Minuten war er der beste Mann auf dem Feld. Die rote Karte gab es ja damals noch nicht. Eigentlich war Manni ja Halbstürmer. Aber seine aggressive Art und Weise auf dem Platz, gepaart mit hervorragendem Spielverständnis, veranlassten unseren Trainer damals, ihn nicht als Vorstopper, sondern als Spielgestalter einzusetzen. Vielleicht hat sich seine aggressive Art und Weise auch daraus entwickelt, dass er in seinen jungen Jahren als Schönspieler galt, der auch gerne den Spieler noch ein drittes Mal verladen hatte, bevor er den Ball abspielte. Das hat er halt maximal zweimal gemacht, bevor es ordentlich ‚gekracht‘ hat. Denn allerspätestens beim dritten Mal ist er dann fällig gewesen. Da wurde er dann vom Gegenspieler abgegrätscht und durch die Luft gewirbelt, als würde kurz ein Tornado über den Platz fegen. Von den Schmerzen mal ganz zu schweigen. Und was für Sprüche er in seinem Repertoire hatte, wie er den Gegner beim nächsten Mal wieder düpiert. Von Bier zu Bier sind dann noch schönere und ausgefallenere Sprüche herausgekommen, wie er dies beim nächsten Mal anstellt. Dann ist er meist am Stammtisch aufgestanden und hat dies anhand einer Trockenübung vorgemacht. Dabei sind ihm oftmals neue Ideen gekommen, die er dann gleich in seine Übung einbaute. Nach Bier Nummer sechs hat er dann meist erkannt, dass jetzt das zuhause wartende Mittagessen, liebevoll von seiner Frau zubereitet, sehr gelegen käme. Dies hat sich im Bezirk aber ziemlich schnell herumgesprochen. Die Gegner gingen mit dem Motto ins Spiel ‚Spielausgang egal, aber Manni führt uns nicht vor‘. Man konnte bei unseren Gegner regelrecht die Lust dabei spüren, Manni aus den Socken herauszuholen. Dies hat nach einer Saison dazu geführt, dass Manni seine Trickkiste auf ein Minimum reduzierte und sich auf die auf dem Platz erforderlichen Tugenden konzentrierte: ‚Kampf und Leidenschaft‘.

Man muss aber auch eines dazusagen: zum Treffpunkt vor dem Spiel kam er immer pünktlich und wenn man nicht gewusst hätte oder beim wöchentlichen Stammtischspektakel dabei gewesen wäre, dass Manni morgens schon einen ordentlich über den Durst gelupft hatte, man hätte es ihm nicht angesehen oder angemerkt, außer einmal - beim ersten Spiel nach der Winterpause. Da blieb es nämlich nicht nur bei Bier am Morgen. Ein Mannschaftskollege zog mit seiner damaligen Frau in eine Wohnung um und bat am Sonntagmorgen vor dem Spiel um Umzugshilfe. Da es zu dieser Zeit normal war, dass die Männer eine 6-Tage-Arbeitswoche hatten, blieb oft nur der Sonntag. Da viele Freunde anpackten, war der Umzug schon um 9 Uhr beendet. Manni und die 8 anderen Helfer machten dann ein ‚Feierabendbier‘ auf. Und wie es manchmal so ist: außer Bier gab es auch noch Wein. Eine durchschlagende Mischung. Durcheinander Bier und Wein trinken, führt dann zu einem verheerenden Anstieg des Promillespiegels, zum Leidwesen der Mannschaft. Als Manni nämlich um 12:30 Uhr zum Treffpunkt erschien, war klar, dass er heute nicht allzu viele Bälle treffen würde. Aber Manni wäre nicht Manni, wenn er auf der Fahrt zum Auswärtsspiel nicht noch ein Bier trinken würde. Trainer und Mannschaft waren ‚not amused‘, es war aber geduldet.

Eines der Highlights an diesem Fußballmittag war aber die Besprechung direkt vor dem Spiel. Manni schlief einfach ein und schnarchte, als würde er einen kompletten Wald abholzen. Die Spieler schauten sich an und staunten darüber nicht schlecht. Der Einzige, der nicht darüber schmunzeln konnte, war der Trainer. „Ein paar Bier am Morgen sind ja okay, aber sowas?“, meinte der Trainer und zeigte auf Manni. „Sowas will ich nicht mehr erleben!!“ Langsam aber sicher fingen die Augenbrauen des Trainers dabei an zu zucken. Dies war das Zeichen, dass der Vulkan im Inneren des Trainers langsam aber sicher zu brodeln begann und biblische Ausmaße annehmen könnte. Soweit kam es dann aber doch nicht, da er direkt im Anschluss die Besprechung beendete. Mit einem lauten Klatschen am Ende der Besprechung endeten die Sitzung und dadurch auch Mannis Träume. Da es zur damaligen Zeit keine Auswechselspieler gab, musste Manni von Beginn an ran. Auf einer Position, die laufintensiv war und man in den entscheidenden Situationen einen kühlen Kopf bewahren musste. Herzlichen Glückwunsch! Zu Gute kam ihm in diesem Spiel, dass die Spieler früher nicht so viel gelaufen sind wie heute. Und vor allem nicht so schnell.

Und wie es manchmal so ist. Es geschah etwas, das selbst die größten Fußballromantiker dahin schmelzen lässt. Manni gab 30 Minuten alles. Er kämpfte, ackerte und stellte sich in den Dienst der Mannschaft. Nichts gelang ihm, außer dem entscheidenden Fehlpass zum 0:1 Halbzeitrückstand. Danach sah man minutenlang nichts von Manni. Doch dann schlug sie, die Stunde von Manni. Es lief mittlerweile die 86. Minute. Nach einem langen Ball nach vorne legte Manni seine letzte Kraft in den anstehenden Sprint und versenkte die Kugel anschließend mit einem satten Vollspannschuss aus 11 Metern in den Maschen. Die ca. 80 mitgereisten Anhänger jubelten, als hätte er das entscheidende Tor im WM-Finale geschossen.

Und es sollte noch besser kommen. Kurz vor Ende der Spielzeit bekam der FCG noch einen Freistoß aus halbrechter Position. Manni war zwar nicht der vorgesehene Freistoßschütze, nahm sich aber den Ball voller Selbstbewusstsein und legte ihn sich zurecht. Er lief an und hielt einfach drauf. Wie auch immer dies geschehen konnte, aber der Ball ging direkt durch die Freistoßmauer hindurch, die sich bei diesem Freistoß zaghaft auseinander bewegte und schlug halbhoch im Kasten des Gegners ein. Nun war auf dem Sportplatz kein Halten mehr. Die Spieler und Anhänger des FCG rannten zur Trainerbank und begruben Manni, der genau dort hinrannte, unter sich. Dies war aber zu viel des Guten für ihn. Nachdem er frei da lag, spürte er in seiner Magengrube ein langsam aber sicher aufsteigendes Mittagessen. Mit ungefähr der gleichen Geschwindigkeit des Siegtreffers bahnten sich die Nudeln inklusive der roten Tomatensoße den Weg in die Freiheit. Über die Speiseröhre ging es dann mit voller Durchschlagskraft auf das Spielfeld. Aus einer feiernden Menge kam ein abruptes ‚Ohhhhh‘, welches über den kompletten Sportplatz hallte. Selbst der Gegner staunte dabei nicht schlecht. Manni rollte sich langsam, im Stile einer mit Startschwierigkeiten startenden Walze, an seinem Mittagessen vorbei ins Aus und blieb dort erst einmal liegen.
Im Nachhinein wird er von sich geben, dass er sich eine kreative Auszeit genommen hatte und Spiele sowieso erst zum Schluss entschieden werden. Er hatte es immer gewusst, dass es genauso kommen würde. Auch heute kommt diese Geschichte zu jedem passenden und unpassenden Moment wieder auf den Tisch, zumindest wenn Manni anwesend ist. Er ist der Meinung, dass solche Geschichten bzw. durch ihn oft liebevoll "Legendenmomente" genannt, gepflegt und in Ehren gehalten werden müssen. Früher wie heute, an mangelndem Selbstbewusstsein scheiterte es bei ihm nicht.“ Jetzt musste auch Schorsch das erste Mal lachen. Aber Raubein Alfred fuhr direkt fort: „Nach dem Spiel hat er behauptet, er habe die Engel gesehen.“ Wieder lachten alle drei genüsslich.